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Montag, 28. November 2011

Rollstuhl bitte an der Garderobe abgeben! - Kulturgenuss mit Hürden

Eine Geschichte von Kornelia Götzinger aus dem Buch "MAINUAL - Barrierefreie Öffentlichkeit


In den letzten Jahren wurde das Wiener Veranstaltungsgesetz und das Veranstaltungsstättengesetz für RollstuhlfahrerInnen zwar verbessert. Der Weg zum vergnüglichen Kunstgenuss kann sich dennoch als wenig erfreulich erweisen. Die ersten Hürden stellen sich manchmal schon beim Kauf der Eintrittskarte. Kornelia Götzinger ist Expertin für bauliche Barrieren, kritische Stadtbenutzerin im Rollstuhl und Kulturliebhaberin. So manche ihrer Erfahrungen im kulturellen Alltag lassen sich in die Rubrik "Absurdes Theater" einordnen.


Der Ticket-Marathon

Jazzfest Wien. Die ersten Veranstaltungsplakate sind zu sehen. Ich finde ein detailliertes Programm mit den Adressen aller Vorverkaufsstellen und freue mich auf einige Konzerte. Um Karten zu erstehen, fahre ich zur Verkaufsstelle neben der Staatsoper, von der ich weiß, dass sie stufenlos erreichbar ist. An der Kasse verlange ich je eine Rollstuhlkarte für drei Konzerte. Die Dame an der Kasse erklärt mir, dass sie keine Rollstuhlkarten verkaufen könne. Wo ich die Karten bekomme, kann sie mir nicht sagen. Ziemlich frustriert ziehe ich von dannen.

Einige Tage später starte ich einen neuen Versuch und steuere die barrierefreie Verkaufsstelle im Museumsquartier an. Dort erklären mir die Mitarbeiter sehr nett und gleichzeitig tröstend, dass sie keine Rollstuhlkarten in ihrem Sortiment haben. Es gäbe zwar welche, doch müsse ich mich direkt an den Veranstalter wenden. Sie drücken mir einen Zettel mit der Internetadresse in die Hand. Auf der Website des Veranstalters finde ich eine Email-Adresse, an die ich sogleich eine Anfrage schicke, wohin ich fahren muss, um zu den gewünschten Rollstuhlkarten zu kommen. Als Antwort wird mir mitgeteilt, ich möge mich doch bitte an das Kartenbüro im 9. Bezirk wenden. Gesagt, getan. Vorsorglich reserviere ich dort gleich die Karten per Email. Im Rückmail erfahre ich, dass die Karten persönlich sobald wie möglich abzuholen sind, ansonsten werden sie an andere RollstuhlfahrerInnen weitergegeben.

Also fahre ich am nächsten Tag zum Kartenbüro und traue meinen Augen nicht. Der Eingang hat eine Stufe! Ich bin kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Da ich keine Passanten sehe, die mir über die Stufe helfen könnten, zücke ich mein Handy und rufe im Kartenbüro an. Zum Glück habe ich die Telefonnummer dabei. Ein Mitarbeiter kommt heraus. Er ist zwar mit mir, meinem Rollstuhl und der Stufe etwas überfordert, aber irgendwie schaffen wir es dann doch ins Verkaufslokal. Über den Hausflur wäre ich ohne Stufen ins Kartenbüro gelangt, wird mir gesagt. Ein super Tipp, der leider aber gar nichts nützt, wenn beim Geschäftseingang kein entsprechender Hinweis hängt. Nachdem ich die Karten eingesteckt habe, frage ich noch, wie viele Rollstuhlkarten schon verkauft wurden. "Sie sind die erste", lautet die Antwort. Und auch die einzige, wie sich bei den Konzerten dann herausstellte. Das wundert mich nicht.

Montag, 5. Juli 2010

150 kg sind zu wenig!

Dieser Tage war ich beim Jazzfest Wien in der Staatsoper. Gott lob, bot sich mein persönlicher Assistent an, mich bis zum Sitzplatz zu begleiten, denn, als ich den Treppenlift zum Hauptpodest benutzen wollte, stand auf der Treppenlift-Plattform - mitten auf den Stiegen - ein Mann im Elektrorollstuhl und der Treppenlift bewegte sich nicht von der Stelle. Neben dem Treppenlift hing eine Tafel

"Zulässiges Gesamtgewicht: 150 kg".


Doch so ein Elektrorollstuhl hat mit der darin sitzenden Person meist mehr als diese einhundertfünfzig Kilo! Deshalb rührte sich der Treppenlift nicht vom Fleck.

Freude kam auf, als ich den zuständigen Billeteur fragte, was jetzt passieren wird. Er meint, er müsse die Feuerwehr rufen, damit der Rollstuhlfahrer aus der mißlichen Lage befreit wird. Nur so ein Feuerwehreinsatz kann etwas länger dauern und die Vorstellung begann in wenigen Minuten.

Hausverstand gefragt


Mein persönlicher Assistent hatte Gott sei Dank die glorreiche Idee, den Treppenlift seitlich etwas anzuheben - und siehe da - der Treppenlift fuhr wieder an, und der Mann im Rollstuhl konnte das Konzert noch zeitgerecht besuchen - und ich übrigens auch.

Doch, wie kann es passieren, daß ein Treppenlift, der im öffentlichen Raum zugelassen ist, und mit dem jedweder Rollstuhlfahrer fährt, nur für ein Transportgewicht von einhundertfünfzig Kilogramm zugelassen ist?

Montag, 21. Juni 2010

Odysee Jazzfest Wien

Nach einigen Jahren Abstinenz aufgrund schlechter Erfahrungen Tickets zu bekommen, raffte ich mich heuer wieder auf, Rollstuhlkarten zu kaufen. Doch auch diesmal war alles chaotisch.



Auf der Programmankündigung stand, daß es die Karten beim Ticketschalter im Museumsquartier gibt. Dort erhielt ich die Auskunft, sie haben keine Karten. Dann rief ich eine Wiener Telefonnummer an, am anderen Ende meldete sich der Anrufbeantworter und ich bat um Rückruf, auf diesen warte ich jetzt schon drei Wochen! In der Zwischenzeit fand ich heraus, daß die Karten auch beim Ö-Ticket zu kaufen gibt. Ich fuhr hin, dort sagte mir der nette Mann am Schalter, daß ich hier zwar normalerweise richtig sei, doch die Rollstuhlkarten darf er mir nicht verkaufen, und gab mir eine Telefonnummer von den Bundestheatern. Da ich bei den Bundestheatern befürchten mußte, zu diversen Stellen weiterverbunden zu werden, fuhr ich direkt hin. Der Herr am Schalter schaute im Computer nach und sagte mir, daß diese Veranstaltung nichts mit den Bundestheatern zu tun hat und es deshalb bei ihm keine Karten für Rollstuhlfahrer gibt. Ich zeigte ihm die Telefonnummer, er rief bei dieser Stelle an, dort erfuhr er und in weiterer Folge ich, daß die Bundestheater für das Jazzfest Wien keine Rollstuhlkarten verkaufen.


Na super - das Chaos des letzten Versuchs setzt sich dieses Jahr fort - die Verantwortlichen haben anscheinend kein Interesse an Rollstuhlfahrer Karten zu verkaufen, obwohl die Staatsoper zwölf!!! genehmigte Rollstuhlplätze hat.



Letztendlich hatte der Herr am Ticketschalter die rettende Idee. Er zog unterm Tisch eine Telefonnummer hervor, rief an und - siehe da - es gibt für Rollstuhlfahrer Karten, aber nur wenn man im Besitz einer Kreditkarte ist!



Für diese Odysee war ich zwei Wochen unterwegs - die Kartenrechnung hatte ich in zwei Minuten auf meinem Handy.



Ein Bekannter fragte mich danach, warum gerade Rollstuhlfahrer nicht über Internet ihre Karten kaufen können, gerade für diese Personengruppe wäre das Internet so praktisch.


Diese Frage möchte ich gerne an die Verantwortlichen des Jazzfest Wien weiterleiten, ich weiß keine Antwort auf die Frage, das einzige was ich weiß ist, daß ich über diese Strategie ziemlich verärgert bin.

Mittwoch, 2. Juni 2010

Rollstuhl bitte an der Garderobe abgeben!

Kulturgenuss mit Hürden

In den letzten Jahren wurde das Wiener Veranstaltungsgesetz und das Veranstaltungsstättengesetz für RollstuhlfahrerInnen zwar verbessert. Der Weg zum vergnüglichen Kunstgenuss kann sich dennoch als wenig erfreulich erweisen. Die ersten Hürden stellen sich manchmal schon beim Kauf der Eintrittskarte. Kornelia Götzinger ist Expertin für bauliche Barrieren, kritische Stadtbenutzerin im Rollstuhl und Kulturliebhaberin. So manche ihrer Erfahrungen im kulturellen Alltag lassen sich in die Rubrik "Absurdes Theater" einordnen.

Der Ticket-Marathon
Jazzfest Wien. Die ersten Veranstaltungsplakate sind zu sehen. Ich finde ein detailliertes Programm mit den Adressen aller Vorverkaufsstellen und freue mich auf einige Konzerte. Um Karten zu erstehen, fahre ich zur Verkaufsstelle neben der Staatsoper, von der ich weiß, dass sie stufenlos erreichbar ist. An der Kasse verlange ich je eine Rollstuhlkarte für drei Konzerte. Die Dame an der Kasse erklärt mir, dass sie keine Rollstuhlkarten verkaufen könne. Wo ich die Karten bekomme, kann sie mir nicht sagen. Ziemlich frustriert ziehe ich von dannen.

Einige Tage später starte ich einen neuen Versuch und steuere die barrierefreie Verkaufsstelle im Museumsquartier an. Dort erklären mir die Mitarbeiter sehr nett und gleichzeitig tröstend, dass sie keine Rollstuhlkarten in ihrem Sortiment haben. Es gäbe zwar welche, doch müsse ich mich direkt an den Veranstalter wenden. Sie drücken mir einen Zettel mit der Internetadresse in die Hand. Auf der Website des Veranstalters finde ich eine Email-Adresse, an die ich sogleich eine Anfrage schicke, wohin ich fahren muss, um zu den gewünschten Rollstuhlkarten zu kommen. Als Antwort wird mir mitgeteilt, ich möge mich doch bitte an das Kartenbüro im 9. Bezirk wenden. Gesagt, getan. Vorsorglich reserviere ich dort gleich die Karten per Email. Im Rückmail erfahre ich, dass die Karten persönlich sobald wie möglich abzuholen sind, ansonsten werden sie an andere RollstuhlfahrerInnen weitergegeben.

Also fahre ich am nächsten Tag zum Kartenbüro und traue meinen Augen nicht. Der Eingang hat eine Stufe! Ich bin kurz vor einem Nervenzusammenbruch. Da ich keine Passanten sehe, die mir über die Stufe helfen könnten, zücke ich mein Handy und rufe im Kartenbüro an. Zum Glück habe ich die Telefonnummer dabei. Ein Mitarbeiter kommt heraus. Er ist zwar mit mir, meinem Rollstuhl und der Stufe etwas überfordert, aber irgendwie schaffen wir es dann doch ins Verkaufslokal. Über den Hausflur wäre ich ohne Stufen ins Kartenbüro gelangt, wird mir gesagt. Ein super Tipp, der leider aber gar nichts nützt, wenn beim Geschäftseingang kein entsprechender Hinweis hängt. Nachdem ich die Karten eingesteckt habe, frage ich noch, wie viele Rollstuhlkarten schon verkauft wurden. "Sie sind die erste", lautet die Antwort. Und auch die einzige, wie sich bei den Konzerten dann herausstellte. Das wundert mich nicht.

Autorin: Kornelia Götzinger
entnommen dem Buch: Mainual - barrierefreie Öffentlichkeitsarbeit