Freitag, 14. August 2015

Bedürftige umfassend betreuen










Bildung
Die Presse Freitag, 14. August 2015

Bedürftige umfassend betreuen

Personenbetreuung.
Vor allem ältere Menschen, aber ebenso Kinder und Familien, haben oft Bedarf an Unterstützung, auch abseits der klassischen Pflege.
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VON ANDREAS TANZER


 Die Bedürfnisse älterer, nicht mehr selständiger Menschen gehen über die reine Pflege hinaus, beziehungsweise beginnt der Bedarf an Betreuung oft schon vorher. Ein Beispiel ist der zwischenmenschliche Kontakt, der in vielen Einrichtungen aufgrund der Überlastung des Pflegepersonals zu kurz kommt. Aber auch zu Hause kann eine kompetente Betreuung vonnöten sein - sei es für Senioren oder auch für Kinder und Jugendliche. 

   Entsprechend gibt es das Berufsbild des Personenbetreuers. Dieser soll Menschen animieren, motivieren, schützen und bei Bedarf Verantwortung für sie übernehmen. So etwa die Definition von Improve. Das gemeinnützige Institut für Erwachsenenbildung bietet einen zweisemestrigen Lehrgang zum zertifizierten Personenbetreuer an. In diesen zwei Semestern werden Inhalte wie Persönlichkeitsentwicklung, Kommunikation, Pädagogik oder Gesundheit und Ernährung vermittelt und durch Praxiseinheiten ergänzt. Der Lehrgang des in Wien ansässigen Instituts kostet 2200 Euro und wird nun auch als interaktiver Fernlehrgang angeboten, um Berufstätigen die Teilnahme zu ermöglichen. Damit entfällt die bisherige Beschränkung auf zehn Teilnehmer pro Jahr.

Betreuung versus Pflege 

 

   Während Improve-Obmann Karl Schrittwieser die Betreuung strikt von der Pflege abgrenzt und als unabhängige Tätigkeit definiert, zieht Ilse Humer, Regionalleiterin Oberösterreich und Salzburg des Malteser Care Rings, die Grenzen nicht so scharf. Auch der Malteser Care Ring hat ein Ausbildungsprogramm zum Pflegebetreuer, das sogar kostenlos angeboten wird. In den rund 170 Einheiten plus 80 Stunden Praxis  steht die Pflege zwar nicht im Vordergrund, Grundzüge würden aber durchaus vermittelt, erklärt Humer. Der Schwerpunkt liegt hier auf der älteren Generation, die Tätigkeit der Betreuer, die als Selbständige arbeiten und deren Stundensätze zwischen zwölf und 18 Euro in der Regel privat zu bezahlen sind, findet im häuslichen Bereich statt. Der Malteser Care Ring will damit Lücken in der stunden- und tageweisen Betreuung schließen.

   Die alltägliche Fürsorge in hygienischer, hauswirtschaftlicher und sozialer Hinsicht ist auch laut der ISL-Akademie NÖ Hauptaufgabe für Personenbetreuer. Akademieleiterin Brigitta Sepia-Gürtlschmidt plädiert dafür, dass Personenbetreuer nicht die gesamte Pflege übernehmen sollten, da sie dafür nicht ausgebildet sind. Allerdings sei dies in der Praxis oft gefordert. Die Personenbetreuer-Ausbildung der ISL-Akademie NÖ (Kosten: 2580 Euro) beinhaltet daher neben diversen Aspekten der Betreuung auch Grundkenntnisse der Pflege. In diesem Zusammenhang fordert die Expertin eine verpflichtende Grundausbildung für Personenbetreuer. Problematisch sieht Sepia-Gürtlschmidt auch die in diesem Beruf übliche Selbständigkeit. Der Umstand, dass Personenbetreuer kaum im Angestelltenverhältnis arbeiten, schreckt ihrer Erfahrung nach viele Interessenten ab. 

   Improve-Obmann Schrittwieser sieht die Einsatzmöglichkeiten seiner Absolventen deutlich breiter. Personenbetreuung sei für "Menschen von 0 bis 90", entsprechend fänden sich Anstellungen sowohl in Schule und Nachmittagsbetreuung als auch in Seniorenheimen oder in generationsübergreifenden Projekten. Und auch nach der Improve-Ausbildung steht der Weg in die Selbständigkeit offen.

Für das Studium anrechenbar

 

   Zudem haben die Absolventen noch eine Option: Das Improve-Zertifikat wird für das Studium Coaching und Psychologie am Emca-Campus in Leobersdorf angerechnet. Hier haben sich drei internationale Universitäten (Universidad Catiólica San Antonio de Murcia in Spanien, Universidad Central de Nicaragua, Universidad Azteca in Mexiko) zusammengeschlossen und bieten gemeinsam Studien in deutscher Sprache an. Damit ist es möglich, in nur einem Jahr nach Abschluss des Lehrgangs einen international anerkannten Master zu absolvieren. Für jene, die den Lehrgang ohne Matura begonnen haben, will Improve eine Studienberechtigungskurs anbieten.

   Für die Ausbildung zum Personenbetreuer selbst sind keinerlei formale Vorkenntnisse notwendig. Erwartet werden jedoch soziale und kommunikatione Kompetenz sowie eine offene Einstellung gegenüber verschiedenen Kulturen - interkulturelle Aspekte sind später auch Teil des Curriculums.

   Das Gros der Interessenten sind Frauen, oft in mittleren Lebensphasen, die sich beruflich neu orientieren wollen oder etwa bereits Angehörige gepflegt haben. Daneben berichtet Schrittwieser auch von eher jüngeren Teilnehmern Anfang zwanzig. In dieser Gruppe, die die Ausbildung oft nach dem Zivildienst beginnt, gibt es einen für Sozialberufe untypische Männerüberschuss.

Web:  www.improve.or.at
         www.care-ring.or.at
         www.isl-akademie-noe.at


















































































































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