Mittwoch, 2. Juni 2010

Normvorgaben und Wirklichkeit

Am Tag der offenen Tür
machte ich mir den Spaß, zu überprüfen, wie weit imn neuen Gesundheitszentrum die Normen für behindertengerechtes Bauen eingehalten wurden. Die Eindrücke waren leider nicht berauschend. Nicht nur, daß der Weg zum Eingang etwas steil ausfiel, gibt es derzeit auch in unmittelbarer Nähe zum Eingang keine Behindertenparkplätze - aber da man die Hoffnung nicht aufgeben sollte, vielleicht kommen sie noch?

Behindertentoiletten
Etwas erstaunt war ich auch, als ich den Luft benützte. Die Kabinen sind so klein ausgefallen, daß neben meinen kleinen Rollstuhl nur mehr zwei Personen Platz haben mitzufahren. Etwas später wies man mich darauf hin, daß der Rollstuhllift um die Ecke sei - was ich allerdings nicht bemerkte, da kein Hinweisschild vorhanden war. Behindertentoiletten sind vorhanden, allerdings sind die Türen dahin, sehr schwer aufzumachen und die Mistkübel sind mit Fußpedale ausgestattet, was bei einem Rollstuhl-WC, das vorwiegend von Rollstuhlfahrern ohne Beinfunktion benutzt wird, etwas kurios wirkt.


Zum Thermalbecken
gibt es fünf Stufen, und für Rollstuhlfahrer separat einen Hebesessel. Hier stellt sich für mich die Frage, warum hat man das Becken nicht in den versenkt und einen Einstiegsbereich in Höhe eines Rollstuhlsitzes gemacht, ähnlich wie es bisher bei den beiden Becken im Thermalbad war?

Behandlungsräume
Die Badewannen sind entweder über zwei Stufen zu erreichen oder der Einstieg ist in Brusthöhe eines Rollstuhlfahrers. Auf Nachfrage, wie den RollstuhlfahrerInnen in die Wanne kommen, erklärte man mir, daß dafür ein spezielles Gurtesystem vorgesehen wäre. Meine Frage dazu: warum muß denn eine Badewanne so hoch sein? Es gibt doch in der Zwischenzeit auch höhenverstellbare Wannen, warum nimmt man nicht diese, sondern versucht es mit einem Gurtesystem, welches erfahrungsgemäß nach einem Personalwechsel, keiner mehr zu bedienen weiß und somit behinderte Personen wieder nicht in den Genuß einer Therapie kommen (können).

Das Anbringen von Kleiderhaken und Spiegeln muß ein Riese gemacht haben, die niedrigste Spiegelunterkante, die ich gemessen habe, war bei 1,72 m, meist aber war sie auf 1,80 m, ebenso verhielt es sich mit den Kleiderhaken. Kleinere Personen hatten alle Probleme. Jetzt frag ich mich, wie sollen RollstuhlfahrerInnen damit zu recht kommen, die durchschnittlich eine Reichweite im Sitzen von 1,0 m bis 1,30 m haben?

Positiv aufgefallen
sind mir die Liegen mit 45 cm Höhe, auf die man sich ohne fremde Hilfe umsetzen kann.

Resümee
Obwohl viel Geld in die Hand genommen wurde, bin ich alles in allem wieder einmal überrascht, daß man die Bedürfnisse von RollstuhlfahrerInnen und anderen Behindertengruppen nicht in der Planung berücksichtigt hat

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